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Wetterlage macht die Wahl-Stimmung!

Spezial, 17.09.2017

Das Wetter am Tag der Wahl hat keinen Einfluss auf die Wahl. Doch die Wetterlage in der Zeit vor der Wahl kann die Stimmung beeinflussen.

Bei jeder Wahl das gleiche Ritual: Pünktlich mit dem Schließen der Urnen schießen sofort um 18 Uhr die Säulengrafiken der Wahlforscher in die Höhe und die Erklärungsversuche der Politiker ins Blaue. Warum die Regierungspolitik dem Wähler nicht vermittelt werden konnte, warum er das Wahlprogramm nicht verstanden hat, warum er nicht zur Wahl gegangen ist. Und immer wieder muss dabei das Wetter herhalten, wie zum Beispiel 1992, als der regierende Berliner Bürgermeister nach der Kommunalwahl sagte: „Wir haben eins auf die Bademütze bekommen!“

Donnerwetter.de hat in verschiedenen Untersuchungen immer wieder festgestellt, dass das Wetter am Wahltag keinen Einfluss auf die Wahlbeteiligung hat. Doch dann sind wir auf einen erstaunlichen Zusammenhang gestoßen: Die Wetterlage im Zeitraum von ein bis zwei Wochen vor der Wahl kann die Stimmungslage der Wähler beeinflussen!

Bevor am 27. September 1998 die Regierung Kohl durch Gerhard Schröder abgelöst wurde, plagte sich Deutschland durch einen sehr kühlen September, in dem es immer wieder regnete. Die Höchsttemperaturen lagen fast immer unter 20 Grad Celsius.
Im September 2002 galt der Regierungswechsel schon Wochen zuvor als sicher, Edmund Stoiber sah sich schon als neuer Kanzler. Doch die rot-grüne Regierung wurde noch einmal knapp im Amt bestätigt. Obwohl der Osten von der Jahrhundertflut heimgesucht wurde, fiel der September in weiten Teilen Deutschlands zu warm aus, vor allem in den ersten beiden Septemberwochen war das Wetter sehr sommerlich. Erst zum Wahltag wurde es deutlich kühler.

Es scheint sich dabei um den „psychologischen Faktor des Wetters zu handeln. Denn während die Menschen bei „schönem“, „gutem“, „sommerlichem“ Wetter regelrecht aufblühen, sich insgesamt wohler fühlen, steigt auch die allgemeine Zufriedenheit: Die meisten kennen es von sich selbst, aber auch verschiedene Statistiken belegen die Wetterlaunigkeit der Menschen.

Wenn die Sonne lacht und ins Freie lockt, sieht die Welt und damit auch die politische Situation nicht ganz so grau aus. Wenn das Wetter dagegen auf’s Gemüt schlägt, steigt die Unzufriedenheit und damit auch der Wunsch nach Veränderung.

Auch das Wahlergebnis von 1983 scheint das zu belegen: Die SPD/FDP-Koalition war zwar bereits durch das Misstrauensvotum im Jahr zuvor gestürzt worden, doch am 6. März 1983 bestätigten die Wähler den Wunsch zu einem Regierungswechsel. Zuvor hatte es sehr ungemütliches, windiges Wetter mit Regen, Schnee und Temperaturen um 0 bis 5 Grad gegeben. Eine Wechselstimmung gab es zwar auch 1994, diese konnte der SPD-Kandidat Rudolf Scharping jedoch nicht nutzen. Helmut Kohl wurde noch einmal im Amt bestätigt - nach schönem Wetter in den Wochen zuvor!

Der Einfluss des Wetters darf aber nicht überbewertet werden: Andere Faktoren wie die wirtschaftliche Lage oder politische Überzeugungen spielen mit Sicherheit eine wesentlich größere Rolle. Aber die Vergleiche, auch aus den 60er Jahren, sind recht augenfällig.

Und in diesem Jahr? Das bislang sehr durchwachsene Septemberwetter hat der amtierenden Regierung nicht geschadet: Laut aktueller Umfragewerte liegt die CDU aktuell bei 37 %. Die SPD büßte zuletzt dagegen ordentlich ein und liegt aktuell in der Wählergunst bei nur noch mageren 20% - der schwächste Wert seit Januar 2017.

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