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Der Frühling

Spezial, 20.03.2016

Alles spricht von ihm, aber keiner kennt ihn wirklich so richtig. Wir stellen der Frühling in unserem Frühlingsanfang-Spezial vor!

Während der Winter als die Zeit der Ruhe gilt, in der die Natur von Kälte und Schnee „gelähmt“ ist und in Winterschlaf verfällt, erwachen im Frühling Pflanzen, Tiere und natürlich auch wir Menschen zu neuem Leben.

Kirschblüte
Bild: Michael Sondermann, Bundesstadt Bonn

Die graubraune Landschaft wird nach und nach grün und überall geben Blüten bunte Farbtupfer. Den Frühling kann man nicht nur sehen und riechen, sondern auch hören: Vogelzwitschern, spielende Kinder, lachende Menschen - was für ein Gegensatz zu der Stille des Winters, in der jedes Geräusch vom Schnee geschluckt wird. Nicht von ungefähr erwachen in diesem Feuerwerk der sinnlichen Reize dann auch in uns Menschen die „Frühlingsgefühle“.

Der Frühling kommt aus der Schweiz und Frankreich nach Deutschland. Er wandert aus dem Rhonetal nach Norden, überspringt das Juragebirge zwischen der Schweiz und Frankreich und überwindet noch die Vogesen und erreicht dann im Elsass Mulhouse, Colmar und später Straßburg. Während auf den über 1.400 m hohen Bergen der Vogesen noch die Schneereste in der Ferne schimmern, spürt man in den Vogesentälern schon den Frühling. In Gunsbach, dem Ort in dem Albert Schweizer (Friedensnobelpreisträger 1952) aufgewachsen ist, erreicht das Quecksilber schon im März häufig 20 Grad. Etwa 150 m tiefer im Rheintal werden im März an manchen Tagen sogar 25-27 Grad gemessen, an einigen Stellen zwischen Basel und Straßburg sogar schon 30 Grad!

Da der Rhein die Grenze zum Elsass und zu Frankreich bildet, kommt hier der Frühling zum ersten Mal auf deutschem Boden an. Besonders rund um den Kaiserstuhl und auf der Südseite des kleinen Mittelgebirges erwärmt sich die Luft schon im Laufe des Februars häufig auf 13 bis 15 Grad, so dass sich der Vorfrühling aus Frankreich über den Rhein schwingt und zuerst direkt am Fuße des Gebirges zeigt.
 

In der Phänologie gelten die Haferaussaat, Kirschblüte und zuletzt die Apfelblüte als die unmissverständlichen Boten des Frühlings. Während zur Zeit der Schneeglöckchenblüte und zur Haferaussaat der Winter immer noch einmal zuschlagen kann, bedeutet die Kirschblüte meist das Ende von Schnee und Eis. Nur in ganz seltenen Fällen gibt es danach noch einmal von Norden her einen Wintereinbruch mit Schneeschauern. Mit der Apfelblüte ist dann auch die Zeit des Frostes so gut wie vorbei.

Beim Einzug des Frühlings liegt Deutschland europaweit genau im Mittelfeld, denn wenn Mitte März in Portugal die Apfelbäume blühen und somit der Vollfrühling einzieht, herrscht in Mittel- und Nordeuropa noch tiefster Winter. Bis die Apfelbaumblüte die mittleren Höhen Schottlands oder gar Lulea am nördlichen Bottnischen Meerbusen in Schweden erreicht, ist es Mitte Juni. Noch weiter nördlich kann sich der Apfelbaum nicht ansiedeln. Auch in Höhen ab 1500 m in Mittel- und Südeuropa wächst kein Apfelbaum.

Der Vollfrühling zieht aus dem Westen mit einer Geschwindigkeit von etwa 40 Kilometern pro Tag aus Faro in Portugal bis nach Nordschweden oder Finnland. Er braucht ca. 90 Tage für eine Strecke von 3.600 km. Der Weg des Frühlings nach Deutschland führt entlang der Algarve über die spanische Mittelmeerküste nach Barcelona. Schon bis zum 10. April erobert die Apfelblüte Avignon, Marseille und Lyon, bevor sie bis zum 15. April schon fast bis zum Rhein reicht. Wenige Tage später kommt der Frühling dann nach Deutschland. Meist reicht eine Schönwetterperiode Ende März oder Anfang April aus, um den Frühling bis zu 1.000 km nach Norden zu bringen.

Spätestens im März, meist schon Ende Februar steigen die Tageshöchsttemperaturen plötzlich an. Meist im März, frühestens Ende Februar, spätestens jedoch im Mai werden dann in weiten Teilen Deutschlands das erste Mal an einem sonnigen Tag über 20 Grad gemessen. Nur die Küsten und die Mittelgebirge stellen hier eine Ausnahme dar. Durch die kalte der Nord- und Ostsee wird die Erwärmung der Lufttemperatur deutlich verzögert. Im März ist das Wasser der Nordsee meist nur 8 Grad kalt und die Ostsee kann sogar nur 6 Grad aufweisen. Dadurch kommt es zu starken Temperaturverzerrungen an den Küsten. Während Helgoland an einem sonnigen Südwindtag im März eine Höchsttemperatur von 13 Grad erreicht (etwa 5 Grad über der Wassertemperatur), liegen die Werte in Wilhelmshaven bei 17 Grad, in Cuxhaven bei 18 Grad und in Bremerhaven und Bremen bei 20 Grad. Zur gleichen Zeit werden auf den Halligen nur 12 Grad und auf der Nordspitze Sylts 14 Grad gemessen. Auch auf Fehmarn stellt sich bei Seewind eine deutliche Abkühlung ein. Während in Kiel 20 Grad gemessen werden, kann die Temperatur auf Fehmarn bei 6 Grad Ostseetemperatur auf bis zu 10 Grad absinken. Ebenso bekannt für die Ostseekühle ist Rügen. Am Kap Arkona wird es im Frühjahr selten über 20 Grad warm. Weht der Wind aus Osten, bleiben die Werte knapp über der Ostseetemperatur hängen. Während in Süddeutschland schon 30 Grad gemessen werden, liegt die Temperatur auf der Nordspitze Rügens häufig noch unter 15 Grad!

Auch in den Mittelgebirgen dauert die Erwärmung länger. Im April werden aber auch im Sauerland, im Thüringer Wald, oder im Schwarzwald ab 800 m an einigen Tagen über 20 Grad gemessen. Im späten Frühjahr, Ende April, manchmal auch erst im Mai werden dann auch die ersten Sommertage mit mindestens 25,0 Grad oder mehr registriert. An den Küsten kann es je nach Lage bis in den Juni dauern, bis die See so erwärmt ist, dass auch hier Lufttemperaturen über 25 Grad möglich werden.

Während im März das Wetter in Deutschland noch winterlich sein kann und bei einer anhaltenden Nordlage größere Schneemengen fallen können, stellt sich die Wetterlage im April endgültig um. Die gesamte Nordhalbkugel erwärmt sich und die Temperaturunterschiede zwischen den Polgebieten und den mittleren Breiten nehmen ab. Dadurch verändert sich das Witterungsmuster, kurze sonnige Phasen wechseln mit Tiefdruckphasen ab und die absoluten Regenmengen steigen ab März an. Die Regenmengen im Frühjahr sind natürlich wichtig für die Vegetation, die nun so richtig aus dem Winterschlaf erwacht.

Mitte Mai sinkt dann endlich auch die Wahrscheinlichkeit für Nachtfröste deutlich ab. Liegt die Chance auf Nachtfrost mit Werten unter –2 Grad Anfang Mai im Nordosten noch bei 70%, im Süden bei 60% und im Westen bei 50%, so sinkt sie nach dem 15. Mai in weiten Teilen des Landes auf unter 5%. Ausnahmen bilden die Höhen der Mittelgebirge und der Voralpen, wo sogar im Sommer Frost auftreten kann. Besonders die Obstbauern haben vor späten Frösten nach der Kirsch- oder Apfelbaumblüte Angst. Denn trotz Schutzmaßnahmen durch Beregnung kommt es immer wieder zu großen Schäden, wenn die Blüten früh blühen und dann nochmals starker Frost auftritt.

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